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Zwischen Pioniergeist und Notwendigkeit

1955 bestanden in Südtirol 19 Großkraftwerke mit einer Leistung von rund 500 MW, 15 weitere Werke waren zum gleichen Zeitpunkt konzessioniert oder im Bau; sie sollten weitere 160.000 kW Leistung bringen. Weitere 30 E-Werke mit 9,4 MW versorgten einzelne Gemeinden und einheimische Industriebetriebe. Die Zahl der kleinen E-Werksanlagen mit wenigen kW auf Einzelhöfen, in Dörfern oder für gewerbliche Betriebe betrug mehr als ein Tausend…Trotz des kontinuierlichen Ausbaus der Wasserwirtschaft zur Energienutzung war die kapillare Versorgung besonders der ländlichen Bevölkerung bis hoch hinauf zu den letzten Höfen lange Zeit unbefriedigend.

Unbefriedigend war auch die Versorgung der Bevölkerung in Villnöß mit Strom. Nachdem schon vor dem Ersten Weltkrieg einzelne private Kleinkraftwerke, so z. B. „Prader“ (1909) „Zellen“ (1911) und „Kabis“ (1912) in Villnöß ihren Betrieb aufgenommen hatten, setzten sich kurz nach dem Kriege vor allem drei Bauern, die Besitzer der Höfe Oberkantiol, Unterkantiol und Schlatschner, und ein Handwerker, der Tschahauner-Schmied, für eine Stromversorgung vor allem in den Fraktionen St. Magdalena und Coll ein. Fehlende finanzielle Absicherung ließ es geraten erscheinen, den Kreis der Interessierten zu erweitern und so wurde im Jahre 1921 die „Elektrizitätsgesellschaft St. Magdalena GmbH“ gegründet. Trotz anfänglicher Skepsis erhöhte sich ab 1922 die Zahl der Mitglieder und so konnten bereits in den 20er Jahren mehrere Gebiete mit Strom versorgt werden. Der Zweck dieser Gesellschaft war es – wie im Art. 2 des Gründungsstatutes festgeschrieben wurde – „für ihre Mitglieder elektrische Energie für Beleuchtung und Kraftbetrieb zu erzeugen und zu verwerten, um damit die Volkswirtschaft zu heben und das materielle Wohl ihrer Mitglieder durch Anlagen von Sägen, Mühlen, Werkstätten für Holz und andere Industrien zu fördern.“

Überwundene Schwierigkeiten

Herr Konrad Fischnaller „Tschanduier“ wurde von der konstituierenden Generalversammlung zum ersten Obmann der Genossenschaft gewählt. Der Vorstand wurde sofort aktiv und plante den Bau eines neuen Wasserkraftwerkes in St. Magdalena. Zuvor mussten allerdings einige Schwierigkeiten überwunden werden, so bereitete vor allem die Finanzierung des Vorhabens große Sorgen. In einer Zeit der großen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit – Südtirol war seit kurzer Zeit Bestandteil des Königreiches Italien – waren Geldgeber nur sehr schwer zu finden.

Schließlich erhielt man u. a. auf ein Ansuchen um eine Anleihe aus dem „Kirchlichen Fonde zur Errichtung eines Priesterbenefiziums in St. Madgalena in Villnöß“ vom Fürst-Bischöflichen Ordinariat in Trient ab 1. Oktober 1922 ein kirchliches Darlehen von L. 15.000. Im Schuldschein wurde eine Verzinsung von 4,5 % festgeschrieben und zur Sicherheit des Kapitals, des Zinses und der Nebengebühren haftete jeder Schuldner, d. h. vor allem die Vorstandsmitglieder der Elektrizitäts-Gesellschaft St. Magdalena (Anton Pramsohler - Oberkantiol, Konrad Fischnaller - Tschanduier, Josef Klara - Venediger, Peter Obexer - Schlatschner, Josef Mantinger - Unterkantiolersohn, Alois Lambacher - Verlotter) „für seinen Anteil mit seinem ganzen Besitze“.

Ein weiteres zu beseitigendes Hindernis waren die auf vielen Grundparzellen lastenden Fischereirechte. So besaßen in Villnöß 1. auf Grund eines Kaufes aus dem Jahre 1811 und laut Vertrag aus dem Jahre 1913 ein Peter Markart, Platzer in Schrambach, Gemeinde Feldthurns, und 2. auf Grund eines Kaufvertrages aus dem Jahre 1857 und laut Vertrag aus dem Jahre 1915 Franz Staffler, Besitzer des Hotels „Greif“ in Bozen die Fischereirechte im Villnößerbach und in allen seinen Nebenbächen und Zuflüssen und in den Mühl- und Werkskanalbauten.

Aus dem „Summarischen Auszug“ aus dem Blatte ‚Alte Lasten’ aus der Grundbuchs-Einlage für Josef Klara - Venediger aus dem Jahre 1914 ist eine solche Festschreibung der Fischereirechte ersichtlich. Kurze Zeit später sind dann alle Fischereirechte auf Franz Staffler übergegangen. So musste von der Genossenschaft wegen der Schmälerung der Fischereirechte eine einmalige Zahlung und eine jährliche Pauschale bezahlt werden. Finanziell und rechtlich war der Weg für den Bau des neuen Kraftwerkes geebnet und bereits nach knapp einjähriger Bauzeit ging das neue Wasserkraftwerk in St. Magdalena Nr. 76 am Ostersamstag des Jahres 1922 in Betrieb. Es handelte sich um eine Francis-Turbine der Marke „Voith“ mit einem „Sachs“- Generator und einer Leistung von 75 kW Drehstrom, geliefert von der elektro-mechanischen Werkstätte David von Lutz aus Klausen.

Auch im Jahr 2004 war eine Bedingung für die Konzessionserteilung zum Bau des neuen Kraftwerkes Meleins die einvernehmliche Lösung mit den Besitzern der Fischereirechte. Heute ist der „Fischereiverein Brixen - Eisacktal“ Pächter der Rechte und bezieht jährlich eine entsprechende Entschädigung.

Das Risiko

Die Folgen des Ersten Weltkrieges, die Abtrennung Südtirols von Österreich an Italien, vor allem aber die immer schlechter werdende Wirtschaftslage stellten die Genossenschaft, trotz der erzielten Erfolge immer wieder vor enorme finanzielle Probleme. Besonders in der Zeit vor der großen Weltwirtschaftskrise 1929 wusste man in der Genossenschaft kaum mehr weiter.

Zu Beginn der 30er Jahre stiegen die Schulden so rapide an, dass ein zu Rate gezogener Wirtschaftsberater dem damaligen Obmann Josef Messner nur mehr mitteilte: „Melden sie schnell Konkurs an“. Die Standhaftigkeit und die Zähigkeit des Obmannes, sein Glaube an das Gelingen des Projektes hat viele Genossenschaftsmitglieder überzeugt, weiter zu machen.

Viele Bauern bürgten mit ihrem Hab und Gut; einige hatten mehr an Schuldscheinen unterschrieben als ihr Hof wert war, viele hatten in diesen Krisenzeiten große Angst, ihren Hof zu verlieren. Diese Angst ließ einen Bauern sogar zur Überlegung kommen, seinen Hof auf die Ehefrau zu überschreiben, um ihn im schlimmsten Falle retten zu können. Der Zusammenhalt unter den Genossenschaftsmitgliedern war allerdings sehr groß, und einigen Bauern gelang es immer wieder die notwendigen Geldmittel bereit zu stellen, um Schulden und Zinsen bezahlen zu können.

Hohe Investitionen

Der Bau des Kraftwerkes, die Installation eines Reservemaschinensatzes und vor allem auch der Bau des Stromverteilernetzes trugen wesentlich dazu bei, dass sich die wirtschaftliche Lage der Genossenschaft in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens nicht festigen konnte. Vor allem in den 30er Jahren konnte nur durch einschneidende Sanierungsmaßnahmen eine Auflösung der Genossenschaft verhindert werden, wobei dem damaligen Obmann Josef Messner „Fischnoler“ große Verdienste zukamen.

Mit der Normalisierung der Lage nach dem Kriege und durch den zunehmenden wirtschaftlichen Aufschwung wurde die Produktion des Kraftwerkes schon bald zu knapp und es mussten Sparmaßnahmen eingeleitet werden. So durfte beispielsweise kein Strom mehr für Heizzwecke verwendet und die Hausmühlen nur in der Nacht in Betrieb genommen werden.

Drohende Verstaatlichung

Die finanzielle Lage, aber auch die drohende Gefahr einer Verstaatlichung der privaten Elektrowerke verzögerten notwendige Investitionsmaßnahmen. In dieser Zeit nach dem 2. Weltkrieg, in der in mehreren Tälern Südtirols landwirtschaftliche Kulturgüter und zum Teil auch Dörfer durch Stauseen unter Wasser gesetzt worden sind, bestanden auch von Seiten der staatlichen Energiekörperschaften für Villnöß solche Pläne.

Das sogenannte „Vercellio-Projekt“ sah ein Staubecken im Talgrund von St. Magdalena mit den entsprechenden Zuleitungen aus dem Aferer- und Lüsnerbach vor. Das Vorhaben stieß im gesamten Tale auf totale Ablehnung. Dies zeigte sich recht handfest während der Vorstellung des Projektes im Jahre 1952, als junge Buben aus Villnöß die Referenten und Projektanten recht treffsicher mit rohen Eiern bewarfen („das hat schön gepatscht,“ erinnert sich heute noch ein Zeitzeuge). Leidtragender war der damalige Bürgermeister, dem vom Regierungskommissär in Bozen vorgehalten wurde, der „Sache“ tatenlos zugesehen zu haben. Von einem großen Kraftwerksprojekt, wie sie in dieser Zeit in mehreren Tälern Südtirols angegangen worden sind, hat man in Villnöß jedenfalls nie mehr etwas gehört.

Um einer Verstaatlichung zu entgehen wurde im Jahre 1964 die sogenannte „Gegenseitigkeitsklausel“ in das Genossenschaftsstatut aufgenommen. Diese staatliche „Antispekulationsklausel“ war für viele Genossenschaften der Rettungsanker. Sie schrieb diesen vor, zwar die Mitglieder fördern zu können, Gewinne aber nicht an diese auszahlen, Gewinne nur bis zu einem gewissen Maße verzinsen und die Reserven nicht aufteilen zu dürfen.

Angestrebte Selbstversorgung

Nun konnte man an eine Vergrößerung des Kraftwerkes denken. Nach der Planung im Jahre 1965 und dem Neubau der Kraftwerkszentrale in St. Magdalena Nr. 101 im Jahre 1966 konnte nach der Inbetriebnahme 1967 die Produktion mehr als verdoppelt werden. Der Maschinensatz, bestehend aus einer Francis-Turbine der Fa. Beikircher aus Bruneck und einem Generator der Marke „Brown Boveri“ leistete knapp 200 kW. Allerdings musste man darauf bedacht sein nicht zu groß zu bauen, um nicht der Gefahr einer Verstaatlichung ausgesetzt zu werden. Dieses Kraftwerk lief bis April 2010.

Durch den großen Nachholbedarf an elektrischer Leistung und durch den Aufschwung in der Bauwirtschaft in den 60er und 70er Jahren war die Produktion des neuen Kraftwerkes bald mehr als ausgelastet. Ein Teil der Stromabnehmer aus St. Valentin musste an das Privatkraftwerk des Mantingerhofes abgetreten werden. Der Strommangel wurde zum Hemmschuh der wirtschaftlichen Entwicklung im Tale, Neubauten konnte nur ein Mindestanschluss gewährt werden.

Erst durch die Förderung der Bergelektrifizierung durch die Autonome Provinz Bozen konnte die Gemeinde den Bau einer 20 kV Mittelspannungsleitung von „Sternklamm“ nach St. Magdalena planen und den Bezug von Landeszusatzstrom über das städtische E-Werk Brixen ermöglichen. Die Behebung des leidigen Strommangels war nahe, obwohl sich der Bau dieser Leitung bis ins Jahr 1976 verzögerte, so dass die Energiegenossenschaft die Anschaffung eines Dieselaggregats vornehmen musste, um zumindest großteils eine zufrieden stellende Stromversorgung garantieren zu können. Die Produktionszentrale St. Magdalena wurde mit dem Zukaufstrom parallel geschaltet, um eine optimale Auslastung des eigenen Kraftwerkes zu erreichen. Trotzdem musste immer noch ca. ein Drittel des Strombedarfes zugekauft werden. Deshalb entschloss sich der Vorstand nach eingehenden Beratungen ein zweites Kraftwerk in St. Peter zu bauen, um für die nächsten Jahrzehnte eine vollständige Selbstversorgung zu erreichen. Die Vollversammlung stimmte am 20. April 1985 diesem Vorhaben zu und bereits im April 1987 konnte das neue Kraftwerk in St. Peter/ Weißenbach in Betrieb genommen werden.

Dank der Landesbeiträge, die für die Verbesserung des Stromnetzes im Berggebiet vorgesehen waren, konnte die Genossenschaft in den 70er und 80er Jahren ihr Verteilernetz wesentlich ausbauen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wurden alle Mittelspannungs- und Niederspannungsleitungen sowie die Trafostationen neu gebaut bzw. renoviert. Ein beachtlicher Teil des Stromnetzes konnte als weniger störanfällige und umweltfreundlichere Erdkabelleitung verlegt werden.

Die Obmänner

Anton Parmsohler "Oberkantioler" - Vorsitzender Gründungskomitee

Konrad Fischnaller "Tschanduier" - 1921-1931

Josef Messner "Fischnoler" - 1931-1943

Peter Psaier "Oberglarzer" - 1943-1946

Peter Messner "Austiller" - 1946-1950

Johann Pramsohler "Viseller" - 1950-1959

Johann Messner "Fischnoler" - 1959-1971

Franz Messner "Austiller" - 1971-1977

Johann Pramsohler "Viseller" - 1977-2013

Josef Fischnaller "Zendleser" - seit 2013

Bisherige Mitarbeiter

bis 1959 Anton Fill, Geschäftsführer
1959 > 1974 Rosa Fill, Geschäftsführerin
1974 > 1977 Johann Federer, Geschäftsführer
ab 1977 Paul Profanter, Geschäftsführer

bis 1960 Philipp Erardi, Maschinenwärter
1960 > 1987 Alfons Michaeler, Maschinenwärter

bis 1937 Rudolf von Lutz, Monteur
1937 > 1952 Alois Fischnaller, Monteur
1952 > 1965 Anton Mantinger, Monteur
1965 > 1977 Heinrich Profanter, Monteur
1977 > 1996 Amandus Petriffer, Monteur
1980 > 1993 Paul Deporta, Monteur
1981 > 2010 Anton Messner, Arbeiter

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